Janis Schumann
Estnischer Walzer
by Necronius on Dez..06, 2010, under Janis Schumann
Es war um Mittag herum. Ein wenig zu spät, um in ein Restaurant zu besuchen, aber auch noch etwas zu früh, um bei Kaffee und Kuchen gemütlich zusammenzusitzen. Es waren diese ein bis zwei Stunden in der Mittagszeit, in denen man etwas in der Luft hing, wenn man gerade einen freien Tag hatte. Die meisten Freunde waren noch im Büro und man selbst verspürte diesen leichten nervlichen Druck, der von einem forderte, den Tag auch ja gut zu nutzen, ihn auszuschöpfen und zu genießen so gut man nur konnte. Schließlich hatte man nicht jeden Tag frei. Unter diesem Druck gelang es den wenigsten sich zu entspannen, und in dieser Hinsicht war es gut, dass Janis sich diesem Problem wenigstens an diesem Tage nicht stellen musste. Schließlich hatte er etwas zu tun: Er hatte jemanden umzubringen.
Schlaflied
by Necronius on Juni.04, 2010, under Janis Schumann
Als Herr Alois Kreutzer an diesem Morgen aufgewacht war, hatte er bereits gewusst, dass dieser Tag einer der unangenehmeren sein würde. Es war diese vage Gefühl unterhalb der Rippen, als ziehe sich der Magen etwas zusammen, dieses diffuse Fehlen jeglicher Motivation, das einen gewöhnlich eher an Sonntagnachmittagen befällt; dann, wenn man nichts recht zu tun weiß und der kommende Montag drohend ins eigene Bewusstsein schleicht, Hand in Hand mit der irgendwie doch unangenehmen Erkenntnis, Freizeit vergeudet zu haben. Es ist das Gefühl, das man eigentlich jetzt etwas ganz anderes tun könnte und man nur nicht weiß, was. Vielleicht weiß man es auch und man traut sich nur nicht.
Hunde von Riga
by Necronius on Apr..09, 2010, under Janis Schumann
Als der Zug plötzlich zum Stehen kam war es bereits Nacht. Der Schnee vor den Fenstern war kaum sichtbar, weil das Mondlicht nur manchmal durch die dichte Wolkendecke zog und das schwache Licht im Abteil sorgte dafür, dass das verschmierte Fenster fast wie ein Spiegel wirkte. Trotzdem war deutlich, dass draußen Schnee liegen musste, denn die Kälte hatte sich längst durch die Wände des Zuges, durch die Ritzen an Türen und Fenstern ins Zuginnere gefressen und die schwache Heizung kämpfte vergeblich dagegen an. Es war kalt. Der lettische Winter war immer kalt.