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Major Yuko Takematsu: Krieger im Schatten

by on März.25, 2012, under Sagitarius

Der zentrale Antrieb, eine Gesellschaft aufzubauen, ist und bleibt die Schwäche des Einzelnen und sein Bedarf nach Stärke und Schutz. Man kann sich beliebige Texte der Philosophen ansehen: Am Ende fällt es darauf zurück.

Das entscheidende Merkmal moderner Gesellschaften ist es, genau das nicht mehr wahr haben zu wollen. Die Aussätzigen einer Gesellschaft sind diejenigen, die ihren Schutz sicherstellen. Polizei, Armee, Geheimdienst. Unsere Werkzeuge, den gesellschaftlichen Schutz sicherzustellen, sind feiner und präziser geworden, während unser Sinn für ihren Gebrauch degeneriert ist.

Die Ursache dafür liegt klar vor Augen: Wer mit besonderer Gewalt ausgestattet ist, die Gesellschaft nach innen und außen zu schützen, besitzt mehr Macht als die übrigen Bürger. Die Demokratie ist abgeschaltet, wenn es um ihren Schutz geht. Gerade der entscheidende Grund für die Herstellung und das Bestehen eines demokratischen Staates hat in ihm keinen Platz. Dieser Widerspruch muss verdeckt werden. Wir fordern Gelöbnisse von unseren Männern und Frauen im Dienst, wir erstellen Militärgerichte und Verfassungen, wir legen Fesseln an und empören uns über Skandale.

Die öffentliche Wahrnehmung verträgt eine simple Wahrheit nicht: Es muss Menschen geben, die das Notwendige tun. Das Notwendige, um als Staat zu überleben. Dabei darf der äußere Feind genau so wenig im Wege stehen wie der innere, dabei sind demokratische Rechte genau so irrelevant wie individuelle Befindlichkeiten. Wenn es heißt töten oder sterben muss getötet werden.

Die Tatsache, dass die Demokratie sich überhaupt noch hält bedeutet aber, dass diesen Notwendigkeiten offenbar Rechnung getragen wurde: Die Armee lebt im Schatten. Sagen wir besser: Ein kleiner Teil, der entscheidende Teil der Armee lebt im Schatten. Unsere vielen Truppen in den Medien, unsere Patroullienschiffe und selbst die Schlachtschiffe, mit denen wir den Turianern drohen, sind nur Fassade und Figuren im politischen Theater. Hinter der Bühne stehen wir: Die Krieger im Schatten.

Für uns gilt kein Wahlrecht. Wir wurden wegen unserer Fähigkeiten eingesetzt, wegen unseres Charakters und wir wurden eingesetzt von denen, die vor uns kamen. Uns verbindet keine Partei, keine Meinung.

Für uns gilt kein Gesetz. Die einzige Rechenschaft, die wir ablegen müssen, ist über Erfolg und Geheimhaltung. Wenn wir versagen sind wir tot, wenn wir siegen sind wir keine Helden. Wir werden in keinen Sagen verehrt, in keinen Geschichtsbüchern erwähnt. Unser Lohn sind banale Annehmlichkeiten, aber unser Antrieb ist das, was uns eigentlich vereint: Wir schützen die Menschheit. Wir sind in Ehre, Disziplin und Pflicht vereint.

Viele Menschen haben in jeder Zeit der Demokratie ein Gespür dafür gehabt, dass die politische Klasse ihnen Dinge verschweigt. Und sie haben Recht: Die Krieger im Schatten werden niemals ans Licht kommen. Selbst wenn wir wollten könnten wir nicht. Ein Austritt aus unserem eingeschworenen Bund wird mit dem Tod bestraft.

Warum dann nicht Faschismus herrscht? Er tut es: Die Politiker mögen gewählt sein. Meinen Namen wird niemand je auf einem Stimmzettel finden.

Die große Lüge ist nicht, dass es in der Demokratie keine Faschisten gäbe. Die große Lüge ist, dass überhaupt Demokratie herrscht. Es muss eine fundamentale Macht geben, die hütet und schützt, koste es, was es wolle. Wir werden bleiben. Wir, die Krieger im Schatten.


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