VARP Charakterblogs

Wer am Boden liegt…

by on Okt..03, 2009, under Slagar

Er hatte sich mehrere Mahlzeiten und Schlafplätze mit dem Würfel erkauft. Erbärmlich, doch noch auszuhalten. Er hatte mehr Wein und gebranntes Getrunken als in sämtlichen Jahren zuvor, sich in das Hafenbecken erbrochen und gleichsam Blut geschmeckt. Und er hatte in der Gosse geschlafen. Ein Bettler hatte ihn angefleht, seine Tochter für einige Münzen zu nutzen, welche vielleicht vierzehn Winter zählte – ob der wahrheitsgemäßen Antwort, er habe selbst kaum Geld, hatte man ihn als Lügner verflucht. Warum er noch nicht ausgeraubt worden war, wusste er nicht – noch besaß sein Mantel ein wenig des samtweichen Fells, aus welchem er zuvor gänzlich bestanden hatte  – schrieb es jedoch, sich dies selbst ungern eingestehend, der Hand Avals, mehr noch, dessen Diener zu.

Oft hatte er von dem Großmut der Priesterschaften vieler Orden gehört, doch war es in jedem Fall die selbe, welche auch der heruntergekommene Spieler in Zeiten, die er fast ungern als seine besseren bezeichnete, den Armen hatte angedeihen lassen – Münzen. Genug um sich darum zu schlagen wenn der Hunger die Faust führt, zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Doch wirkliche, selbstlose Hilfe hatte er zuvor weder gegeben, noch erfahren.

Der Novize Avals erinnerte Slagar, was ihn in bitterer Weise belustigte, an eine Erzählung, eher ein Märchen, des Edelmannes welcher seinen Mantel mit den Armen teilt. Früh am Morgen, die Dämmerung zeigte sich noch kaum, erwachte er, schweißgebadet trotz der lauen Temperatur der Kammer. Was ihn erweckt hatte, wusste er kaum zu benennen, weder war es ein Traum gewesen, noch die ersten Geräusche des erwachenden Tempels. Einige Momente blieb der dunkelhaarige Nordmann liegen, ehe er sich nur in Unterkleidern von der Bettstatt erhob und vor selbiger niederkniete, zum ersten Mal seit seiner Kindheit aufrichtig einem Gott zu danken. Selbst die Selbstzweifel, welche ihm sagten, er würde sich für den Preis einer Nacht, welche er nicht im Freien zu verbringen hatte, einem Gott verkaufen der ihm kaum passte, erniedrigen, wurden rasch bei Seite geschoben.

Nach dem stummen Gebet in die leicht feuchten, klammen Kleidungsstücke des Vortags schlüpfend verzog Slagar kurz die Lippen zu einem wehmütigem Lächeln – kaum ob den Gliederschmerzen und schweren, leicht fiebrigen Lidern, eher ob der Sehnsucht nach der Wärme einer Frau und einer ausgiebigen Mahlzeit – und setzte sich, den Blick zur Tür gerichtet, wartend, auf das Bett des Novizen – er hatte bereits beschlossen, zwar zu versuchen, zu lernen wovon Ryncald gesprochen hatte, jedoch von dessen Großmut nicht mehr zu profitieren.


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