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Gerechtigkeit am Pranger

by on Sep..07, 2009, under Malik

Finsternis umgab sie, als sich die schwere, verstärkte Tür hinter ihnen wieder schloss. Es dauerte einige Zeit, ehe sich Maliks Auge an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt hatte. Das unstete, flackernde Licht der sehr sparsam verteilten Fackeln, die in den eisernen Halterungen an der kalten, feuchten Mauer entlang befestigt waren, vermochte die Dunkelheit kaum zu durchdringen. Ein Wächter ging mit einer entzündeten Fackel voraus, um Malik und den vier Wachen, die er für diese Aufgabe auserwählt hatte, den Weg zu leuchten. Stufe für Stufe stiegen sie langsam die schmale, steile Treppe hinab zu den Zellen. Es stank erbärmlich hier unten. Doch es galt nun, Haltung zu wahren. Sie gingen die einzelnen Zellen ab, bis sie unvermittelt hielten. Wortlos wurde der Insasse gefesselt und aus der Zelle geführt. Eingekesselt von den vier Wachen drängte man ihn die Treppe hoch, ins scheinbar gleisende Sonnenlicht. Die letzten Atemzüge frischer Luft, die dieser Mann vor seiner Hinrichtung genießen würde.

Von Malik angeführt zog der Trupp durch die Straßen zum Marktplatz. Der Alte sparte sich große Ankündigungen. Er war kein Marktschreier. Die Gruppe um den Gefangenen erregte genügend Aufsehen, das schon im Morgengrauen in der Mitte des Marktplatzes aufgestellte Pranger tat sein übriges. Als sie endlich am Platz ankamen, mussten sie sich bereits einen Weg durch die ungeduldige Menge bahnen. Mehr Aufsehen, als Malik erwartet hatte. Umso besser.

Sie betraten den hölzernen Podest.

„Bürger von Silfurt!“

Misstrauische Blicke.

„Bürger von Silfurt! Dieser Mann -„, er machte eine kleine rethorische Pause, wandte sich leicht zur Seite und die Wachen gaben, wie abgesprochen, den Blick auf den Meuchelmörder frei. Ein Raunen ging durch die Menge.

„ist ein Feind des Reiches und der Götter! Vor zwölf Tagen versuchte er, den Magistrat, ernannt vom hohen König Nestor selbst, mit einem feigen, ehrlosen Angriff zu meucheln. Dieser Verräter am Volke hat es gewagt, die von den Göttern gegebene Ordnung in Frage zu stellen! Er ist ein Ketzer! Dieser Mann hasst die Götter! Er hasst den Frieden! Doch die Götter, in ihrer unendlichen Weisheit und Macht, haben seinen Plan vereitelt! Der Magistrat lebt!“

Wieder eine kleine Pause, um diese letzten Worte wirken zu lassen.

„Die Götter wissen, dass er ihr treuer Diener ist, ehrhaft, stark, gerecht! Ein gottgefälliger Führer für eine gottgefällige Stadt! Sie haben ihn beschützt vor dem Werk dieses Teufels! Bald schon wird der Magistrat selbst hier stehen. Heute stehe ich hier, um seine Botschaft zu verkünden: Nichts und Niemand kann gegen die Gerechtigkeit stehen! Der Ludergeruch des Hochverrats haftet diesem Gottverlassenen an! Kommt! Kommt näher! Seht dem Mann in die Augen, über den die Götter ihren Richtspruch verhängten, noch ehe er seine Klinge zog. Kommt und seht dem Mann in die Augen, der euch in Chaos und Dunkelheit stürzen wollte!“

Malik führte mit seiner verbleibenden Hand eine kaum merkliche Geste aus und verließ den Podest dann. Aus dem Augenwinkel konnte er noch erkennen, wie die Wachen den Mann an den Pranger stellten, während sich die Menge bereits um ihn drängte.


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