Meine liebe Schwester,
by Sathirali on Sep..07, 2009, under Tristyn Andronen
Meine liebe Schwester,
Bitte verzeih, dass ich deinen Brief erst jetzt beantworten kann, doch will ich dir sogleich erklären warum ich dir nicht eher schrieb: Der Fechtlehrer meines Sohnes griff meinen Gatten an und versuchte ihn zu töten. Die beiden Kinder waren selbstverständlich außer sich vor Sorge um ihren Vater und mein lieber Junge hat noch immer Albträume dieser Tat. Ich kann nicht zu Papier bringen, wie sehr auch mich dieses Ereignis aufwühlte. War ich doch so kurz davor, den Mann zu verlieren, mit dem ich die letzten dreizehn Jahre meines Lebens verbracht habe – du weißt ja, wie sehr ich ihn liebe und so kannst du dir sicher vorstellen, wie es mir erging.
Den ersten Anzeichen zum Trotz überlebte er jedoch und erholt sich langsam, auch wenn es ihm noch immer sehr schlecht geht. Es ist mir ein großer Trost in dieser Zeit, das Glück und die Erleichterung der Kinder zu sehen.
Ich ging den Mann, der für all dies verantwortlich ist, im Kerker besuchen (ein schrecklich trostloser Ort. Oh Schwester, du weißt nicht wie es mich schmerzt, an die Menschen dort und ihr Elend zu denken). Ich wollte wissen, was für ein Mann zu solch einer Tat fähig war. Ich weiß selbst nicht recht, was ich erwartete, doch zumindest etwas anderes als ich vorfand. Ein höflicher, eher ruhiger Mann. Kein Wahnsinniger, kein Barbar und soweit mir bekannt ist, stammt er nicht einmal aus Silfurt. Ach, seines schändlichen Verbrechens zum Trotz fühle ich Mitleid mit diesem Mann und hoffe, dass die Götter seiner Seele gnädig sein werden.
Abgesehen davon befindet sich zur Zeit ein Händler aus dem Süden in unserem Haus. Er bringt jedes mal wunderschöne Geschenke aus dem Süden mit, auch für mich und die Kinder, aber dennoch ist er mir nicht geheuer. Selbst wenn es keinen Grund für mein Misstrauen gibt, so traue ich mich doch kaum noch, die Kinder aus den Augen zu lassen. Sie sind so vertrauensseelig und verstehen noch nicht, dass diese Südländer meist keinerlei Bezug zu den Gesetzen unserer Götter und den Werten unseres schönen Landes haben, auch wenn sich die Frage stellt, ob die Südländer von den Göttern als niedere Wesen, die zu Brutalität und Niederträchtigkeit neigen, geschaffen wurden und somit unserer größtmöglichen Hilfe und Anstrengungen bedürfen, aus ihnen gottesfürchtige Bürger zu machen, oder ob sie sich bewusst von den Göttern abwandten und deshalb von ihnen mit dem unfruchtbaren Land gestraft wurden.
Doch genug von mir. Wie geht es Dir und Deinen Kindern? Ich hoffe sehr, dass sich dein Jüngster wieder von seiner Krankheit erholt hat und auch, dass die Geschäfte deines Mannes weiterhin so gut laufen.
Selbstverständlich kann ich Silfurt gerade nicht für längere Zeit verlassen, doch ich hoffe, dass dies bald möglich sein wird und ich Dich für einige Zeit besuchen kann. Euer Haus ist so schön abgelegen. Hier in Stadt habe ich manchmal das Gefühl, zu ersticken.
Bitte richte auch Grüße an unseren Bruder aus, wenn du ihn siehst und schreibe mir bald zurück.
Liebe Grüße,
Tristyn
September 7th, 2009 on 19:31
Sie täte mir FAST leid… *g*