VARP Charakterblogs

Alte Wunden

by on Aug..31, 2009, under Malik

Maliks Welt explodierte in brennendem Schmerz. Die Fingernägel seiner verbleibenden Hand gruben sich in das edle Holz der Bettkante, als er einen Schrei unterdrückte. Die Wunde hatte sich wieder entzündet. Unbarmherzig tupfte der Medicus erneut mit einem mit Alkohol getränkten Stoffstreifen die eitrige, leere Augenhöhle ab. Weiße Punkte tanzten, Sternen gleich, vor seinem verbleibenden Auge. Khazan würde nun die übelriechende Paste anrühren, die die Infektion aufhalten solle. Das verschaffte Malik eine kleine Atempause, um seine Gedanken wieder zu ordnen.

In wenigen Tagen schon sollte das Bankett zu Ehren der Klingenträger stattfinden, die Klingen, die er dem Magistrat geliefert hatte. Ein unheilvolles Lächeln schlich sich in seine sonst so harten, vom Leben gezeichneten Züge. Dieser Handel hatte ihm ein kleines Vermögen eingebracht. Wie immer hatten die Präsente ihren Dienst getan. Der Koummya-Dolch für den Magistrat selbst, die mit teuren Perlen verzierte Schmuckschatulle für seine Gemahlin, für die er beide je ein pralles Säckchen voll Gold hatte zahlen müssen, sie hatten sich schon jetzt mehr als ausgezahlt. Diese „Zeichen seiner Anerkennung“ waren die perfekte Ablenkung für seinen genau gezielten Schlag auf Cians Achillesferse. Jeder seiner Kontakte hatte eine Schwachstelle. Maliks Lebenswerk war es, jede einzelne zu kennen und zu seinen Gunsten nutzen zu können. Cians Vater zu manipulieren war ein leichtes gewesen. Doch seit Cians Machtübernahme musste er etwas einfallsreicher werden … es hatte eine Weile gedauert, den neuen Magistrat für sich zu gewinnen. Als Unbestechlich galt er. Unnachsichtig. Unnachgiebig. Doch so unnahbar er sich auch gab, eine kleine Dose mit Süßigkeiten für seine Kinder war alles, das es brauchte, um ihn empfänglich zu machen. Für diesen äußerst kostspieligen Handel hatte Malik sogar noch nachgelegt. Ein kleines, hölzernes Kamel auf Rädern war es, das ihm gleich zu einem Folgeauftrag verhalf: Nun solle er auch die Kinder des Magistrats mit Schwertern ausstatten. In diesem Moment wurde der Älteste von einem Fechtlehrer in die Kunst des Duellierens eingewiesen.

Ein vernehmliches, heiseres Räuspern riss Malik aus seinen Gedanken. Sein treuer Medicus hatte die Innenseite der Augenklappe so mit der Paste präpariert, dass Malik sie wieder aufsetzen konnte. Mit einer unwirschen Geste scheuchte er den spindeldürren Mann aus dem Zimmer. Noch einmal atmete er tief durch, ehe er die Augenklappe langsam wieder aufsetzte. Als die scharf riechende Salbe das eiternde Fleisch berührte, schrie Malik auf.

Wie als Antwort ertönten nun auch von draußen Schreie. Seine Stirn in tiefe Falten legend zog sich der alte Mann an einer kunstvoll verzierten Kommode mühsam hoch, bis er halbwegs sicher stand und humpelte dann zur Tür. Schon seit Wochen bereitete ihm das normale, aufrechte Gehen Schmerzen. Noch ehe er die Tür erreichen konnte, wurde diese schwungvoll aufgerissen. Ein aschfahler Diener des Magistrats stand dort, keuchend.

„Herr, bitte bewahrt Ruhe und verlasst euer Zimmer erst wieder, wenn die Wachen Entwarnung geben. Der Magistrat wurde verwundet.“

Mit einer knappen Verneigung verschwand der Diener wieder im chaotischen, geschäftigen Treiben auf dem Flur. Eine interessante Entwicklung. Sofort lies sich Malik auf den einzigen Stuhl im Gästezimmer fallen, welcher vor dem Sekretär plaziert war. Er hatte viele Briefe zu schreiben. Diese Information dürfte einiges wert sein.


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